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Geschichte Befreiungsfeier

Das Gedenken an die Opfer des KZ Mauthausen in seiner internationalen Bedeutung

Als im Mai 1945 die befreiten Häftlinge begannen, sich körperlich langsam zu erholen, war für viele völlig undenkbar, regelmäßig an diesen Ort des unendlichen Leidens zurück zu kehren. Zu tiefgreifend hatte die oft jahrelange KZ-Haft diese Menschen traumatisiert und zu wichtig erschien es für fast alle, diese Zeit hinter sich zu lassen und einer – zwar ungewissen - aber freien Zukunft entgegen zu gehen.

Sehr bald aber erkannten viele KZ-Überlebende, dass die regelmäßige Wiederkehr nach Mauthausen als freie Menschen und die Teilnahme an einer Befreiungsfeier für jeden einzelnen eine große Bedeutung hatte. In den ersten Jahren oder Jahrzehnten, als einander noch tausende KZ-Überlebende jedes Jahr im Mai in Mauthausen trafen, war die Befreiungsfeier auch eine Katharsis für diese Menschen. Zu wissen und sich zu versichern, dass man überlebt hatte, sich mit den Leidensgenossen auszutauschen und dann wieder nach Hause zu fahren, half Vielen bei der Bewältigung der massiven Traumatisierung.
Eine weitere, gesellschaftspolitische Funktion dieser Gedenkfeiern bestand in der Aufklärung, im Nicht-Vergessen-Dürfen und in einem unüberhörbaren Nie Wieder! Der Austausch mit den Jungen verstand sich für die meisten der KZ-Überlebenden ohnehin von selbst.

Die erste offizielle Befreiungsfeier in Mauthausen fand bereits im Jahr 1946 statt, bei der auch eine Kundgebung am Fuße der "Todesstiege" im Steinbruch mit mehr als 10.000 Menschen abgehalten wurde. In einem offiziellen Schlussdokument verpflichteten sich die nationalen Delegierten mit ihrer Unterschrift, die Befreiungsfeier in Hinkunft jährlich durchzuführen.

Plakat (schwarz/weiss) zeigt verschiedene Fotos von Gefangenen und Leichen im KZ Mauthausen sowie Fotos von früheren Befreiungsfeiern.

Traditionell Mitte Mai kommen die internationalen Delegationen seither am Appellplatz zusammen. Dies blieb jedoch über Jahrzehnte eine Angelegenheit der Überlebenden, ohne große Resonanz in der österreichischen Gesellschaft. In den ehemaligen Außenlagern blieben die Überlebenden bis in die 1990er Jahre mit ihrem Gedenken fast allein. Oft waren von den Lagern nur spärliche Reste oder gar keine Spuren geblieben.

Erst mit der Eröffnung des Museums 1970 durch Bundeskanzler Kreisky begann die öffentliche Aufmerksamkeit in Österreich ein wenig zu wachsen. Ab nun gab es auch regelmäßig größere österreichische Beteiligung an der Feier, auch durch Reden von hochrangigen, österreichischen Politikern.

Das Mauthausen Komitee Österreich übernahm das Vermächtnis der Überlebenden die Gedenkfeier bis heute in enger Kooperation mit dem Comité International de Mauthausen und der Österreichischen Lagergemeinschaft zu organisieren. Mit finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand; aber ohne die zahlreichen Spenden wäre die Arbeit nicht möglich.

Im Vergleich zu den Anfängen und den Aktivitäten der folgenden Jahrzehnte, haben sich die Feierlichkeiten im Umfang und Ablauf verändert, nicht aber in ihrer grundlegenden Zielsetzung.

Europaweit ist die Befreiungsfeier in Mauthausen die mit Abstand größte, mit den meisten internationalen Teilnehmern. Über 100 weitere Feiern an Orten ehemaliger Außenlager oder anderer nationalsozialistischer Verfolgung bewahren die Erinnerung und verhindern das Vergessen.

KZ-Überlebende gibt es heute nur mehr wenige, noch weniger sind in der Lage jedes Jahr die Reise nach Mauthausen anzutreten. Wir haben von ihnen jedoch den Auftrag übernommen, die Befreiungsfeiern weiterhin jedes Jahr zu begehen und der Jugend dabei eine zentrale Rolle zuzuschreiben. Die Jugendkundgebung zuerst im Steinbruch und später dann am "Jugenddenkmal" erfüllt diesen Auftrag in berührender Weise.

Zwischen 1938 und der Befreiung im Mai 1945 war Deutsch die einzige erlaubte Sprache in Mauthausen

Deshalb ist es uns ein Herzensanliegen, dass dieses Jahr der Mauthausenschwur von jungen Menschen aus der ganzen Welt in ihren Muttersprachen vorgetragen wird. Je mehr wir heute Sprachen aus den unzähligen Ländern hören, die in Mauthausen Opfer zu beklagen hatten, desto mehr erfüllen wir das Vermächtnis der Überlebenden und den Mauthausenschwur.

Am 16. Mai 1945 legten die Überlebenden den Mauthausenschwur am Appellplatz in 16 Sprachen ab; ein Bekenntnis, abgeleitet aus den Erfahrungen der KZ-Internierung, solidarisch und geeint - für eine bessere Welt einzutreten. Den Überlebenden zu Ehren und den Lebenden zur Mahnung, tragen junge Menschen aus den Ländern, die damals im KZ Mauthausen Opfer zu beklagen hatten, diesen Schwur heute  wieder in ihrer Muttersprache vor.

Jahresthema, Programmübersicht, Dokumentation

Seit 2006 widmen sich die Gedenk- und Befreiungsfeiern jedes Jahr einem speziellen Thema, das zur Geschichte des KZ-Mauthausen bzw. zur NS-Vergangenheit Österreichs in Beziehung steht. Der Gegenwartsbezug bildet bei jedem Jahresthema einen essentiellen Bestandteil und soll vor allem für junge Menschen einen Bezug zu ihrer Erfahrungswelt heute herstellen.